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Wie läuft eine Behandlung beim Psychiater ab? Ein Blick hinter die Kulissen

  • Autorenbild: Dr. med. Lienhard Maeck
    Dr. med. Lienhard Maeck
  • 13. Jan. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

Für viele klingt das Wort „Psychiater“ erst mal nach schweren Teppichen, düsterem Blick und einer Couch, auf der man stundenlang über die Kindheit reden muss. Spoiler: In Wirklichkeit ist es deutlich unspektakulärer – und vor allem hilfreicher, als Sie denken.



Psychiatrische Behandlung ist selten Couch-Klischee und schwerer Teppich - meist eher ein gutes Gespräch, ein klarer Plan und häufig auch etwas Entlastung mit Humor.
Psychiatrische Behandlung ist selten Couch-Klischee und schwerer Teppich - meist eher ein gutes Gespräch, ein klarer Plan und häufig auch etwas Entlastung mit Humor.

Wer oder was ist ein Psychiater überhaupt?  


Ein Psychiater ist ein Facharzt für seelische Gesundheit. Etwas salopp gesagt: ein Arzt für das, was innerlich aus dem Gleichgewicht geraten ist – also für Denken, Fühlen, Antrieb, Schlaf, Ängste, Stimmung, Wahrnehmung und Belastbarkeit.


In der Schweiz heisst der Facharzttitel offiziell Fachärztin oder Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Der Weg dorthin führt zuerst über ein Medizinstudium, danach über eine mehrjährige ärztliche Weiterbildung in Psychiatrie, Psychotherapie und somatischer Medizin. Das ist wichtig, weil psychische Beschwerden manchmal auch körperliche Ursachen oder Mitursachen haben können – etwa Schilddrüsenstörungen, neurologische Erkrankungen, Schmerzsyndrome, Schlafprobleme oder Nebenwirkungen von Medikamenten. Die Weiterbildung umfasst in der Schweiz unter anderem fünf Jahre fachspezifische Weiterbildung und ein Jahr klinische somatische Medizin.


Der Unterschied zum Psychologen ist vor allem die Grundausbildung: Psychologinnen und Psychologen haben Psychologie studiert, Psychiaterinnen und Psychiater Medizin. Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sind ebenfalls sehr wichtige Fachpersonen in der Behandlung psychischer Erkrankungen, dürfen aber in der Regel keine Medikamente verschreiben. Psychiater hingegen können Diagnosen stellen, körperliche Aspekte mitbeurteilen, Medikamente verordnen, Arztzeugnisse ausstellen und Psychotherapie anbieten oder koordinieren.


Behandelt werden zum Beispiel Depressionen, Angststörungen, ADHS, Zwangsstörungen, Traumafolgestörungen, bipolare Störungen, Psychosen, Persönlichkeitsprobleme, Schlafstörungen, psychosomatische Beschwerden und Krisen. Kurz gesagt: alles, was das seelische Gleichgewicht, den Alltag, Beziehungen oder die Arbeitsfähigkeit spürbar belastet.


Der erste Termin: Ankommen, erzählen, verstehen  


Der erste Termin ist vor allem eines: ein Gespräch auf Augenhöhe. Bei mir dauert das Erstgespräch rund 90 Minuten – genug Zeit, um sich in Ruhe kennenzulernen.


  • Anamnese: Ich stelle Fragen zu Ihren aktuellen Beschwerden, Ihrem Alltag, Ihrer Lebensgeschichte und möglichen körperlichen Erkrankungen. Keine Sorge, Sie müssen keinen perfekten Vortrag halten – das ist mein Job, Sie durch die Fragen zu führen.

  • Symptomerfassung: Wir besprechen, wann und wie Ihre Beschwerden auftreten, wie stark sie sind, und nutzen bei Bedarf Fragebögen, um das Ganze besser einzuordnen. Das hilft auch später, den Fortschritt zu messen.

  • Behandlungsplan: Auf Basis der Diagnose schauen wir gemeinsam, welche Therapieformen passen könnten. Das kann eine Psychotherapie sein, manchmal ergänzt um eine Medikation. Reine „Pillenlösungen“ sind selten und auch nicht mein Ziel.


Keine Sorge - hier wird nicht bewertet


Viele Menschen haben vor dem ersten Termin die Sorge, sie müssten sich rechtfertigen. Dass ihre Gedanken komisch wirken könnten. Dass ihre Gefühle „zu viel“, „falsch“ oder peinlich seien. Genau dafür ist ein psychiatrisches Gespräch nicht da.


Ein guter Psychiater hört zu, fragt nach und versucht zu verstehen. Nicht, um Sie in eine Schublade zu stecken, sondern um gemeinsam ein klareres Bild zu bekommen: Was belastet Sie? Was hält das Problem aufrecht? Was hat bisher geholfen – und was eher nicht?


Dabei gibt es keine falschen Antworten. Sie müssen nichts schönreden, nichts beweisen und auch nicht „besonders krank“ wirken, um ernst genommen zu werden. Es geht nicht um moralische Bewertung, sondern um fachliches Einordnen. Das ist ein grosser Unterschied.


Mein Job ist es, mit Ihnen gemeinsam zu verstehen, was los ist – und daraus einen Weg zu mehr Stabilität, Orientierung und Lebensqualität zu entwickeln. Möglichst konkret, möglichst respektvoll und Schritt für Schritt.


Medikamente - ohne Mythen


Falls Medikamente Teil der Behandlung sind, erkläre ich Ihnen genau, welche Optionen es gibt, wie sie wirken und welche Nebenwirkungen auftreten könnten. Es geht nicht darum, schnell etwas zu verschreiben, sondern gezielt zu unterstützen – so, dass Sie z. B. wieder mehr Energie und Freude im Alltag spüren.


Wie es danach weitergeht 


  • Regelmässige Termine: Wir überprüfen gemeinsam, wie es Ihnen geht, arbeiten an Ihren Themen und passen die Behandlung bei Bedarf an. Typischerweise sind auch kleine "Hausaufgaben", z. B. Verhaltensexperimente, Teil der Behandlung.

  • Psychotherapie: Häufig empfehle ich Kognitive Verhaltenstherapie (KVT), oft kombiniert mit Elementen aus der Schematherapie oder Klärungsorientierten Psychotherapie. Wenn es Sinn macht, erfolgt auch eine Überweisung an spezialisierte Kolleginnen und Kollegen.


Häufige Sorgen - und warum Sie sich entspannen können


  • „Was, wenn ich nicht weiss, was ich sagen soll?“ Kein Problem – ich stelle Fragen, Sie antworten, so einfach ist das :-).

  • „Muss ich sofort Medikamente nehmen?“ Nein. Medikamente sind nur eine Option – und die Entscheidung treffen wir gemeinsam.

  • „Was, wenn ich mich schäme?“ Es gibt keinen Grund zur Scham – psychische Gesundheit ist genauso wichtig wie körperliche Gesundheit.


Fazit: Ein Schritt in Richtung Gesundheit  


Ein Termin beim Psychiater ist kein Sprung ins Ungewisse, sondern ein Schritt in Richtung Klarheit, Stabilität und Lebensfreude. Sie bringen Ihr Anliegen mit – und wir schauen gemeinsam, wie Sie wieder in Balance kommen.


Also: Keine Panik vor dem ersten Besuch! Manchmal braucht es einfach jemanden, der mit Ihnen das innere Chaos sortiert – und genau dafür sind Psychiater da.


Disclaimer: Dieser Blogbeitrag dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle Beratung durch einen Arzt oder Therapeuten.

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