top of page

Blog durchsuchen

42 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche

  • 10 psychiatrische Mythen - und was wirklich stimmt

    Psychiatrie und Psychotherapie sind oft von Mythen und Missverständnissen umrankt. Manche davon sind einfach skurril, andere tiefer verwurzelt und sorgen für Vorurteile, die Betroffenen das Leben zusätzlich erschweren. Hier möchte ich über zehn der häufigsten Mythen aufklären – wissenschaftlich fundiert, aber ohne Fachchinesisch. 1. Psychische Erkrankungen sind ein Zeichen von Schwäche Falsch! Psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen haben nichts mit Charakterstärke oder Willenskraft zu tun. Sie sind komplexe medizinische Zustände, beeinflusst durch genetische Faktoren, Biochemie und Umwelt. Niemand würde einen Menschen mit Diabetes als "schwach" bezeichnen – warum also jemanden mit einer Depression? 2. Psychiatrische Erkrankungen sind selten Ganz und gar nicht! In der Schweiz ist im Laufe eines Jahres bis zu einem Drittel der Menschen von einer psychischen Erkrankung betroffen (Quelle: Bundesamt für Gesundheit, "Psychische Gesundheit: Kennzahlen 2022"). Damit gehören psychische Erkrankungen zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. 3. Antidepressiva machen abhängig Ein grosser Irrtum! Antidepressiva wirken anders als Beruhigungs- oder Schlafmittel. Sie regulieren bestimmte Botenstoffe im Gehirn und haben kein Suchtpotenzial. Natürlich müssen sie korrekt eingenommen und – unter ärztlicher Begleitung – langsam ausgeschlichen werden. Wer sich für das Thema interessiert, lese auch hier . 4. Psychotherapie ist nur „Reden“ Psychotherapie ist weit mehr als ein paar freundliche Unterhaltungen. Therapeuten und Therapeutinnen nutzen wissenschaftlich fundierte Methoden, um Verhalten, Denkmuster und Gefühle nachhaltig zu verändern. Es steckt viel Know-how dahinter, das weit über einen guten Ratschlag hinausgeht. 5. Wer psychisch krank ist, gehört in die "Klapse" Das Bild der "Irrenanstalt" ist ein Relikt der Vergangenheit. Heutzutage gibt es spezialisierte Kliniken, die Betroffenen auf höchstem medizinischen Niveau helfen. Viele Menschen können ihre Erkrankung ambulant behandeln lassen und brauchen keine stationäre Aufnahme. 6. Nur "verrückte" Menschen gehen zum Psychiater Stimmt auch nicht! Psychiatrische Hilfe zu suchen, ist genauso normal wie ein Besuch beim Hausarzt. Menschen gehen zum Psychiater, weil sie sich um ihre mentale Gesundheit kümmern wollen – das ist weder verrückt noch ungewöhnlich, sondern sinnvoll und verantwortungsbewusst. 7. Kinder und Jugendliche können keine psychischen Erkrankungen haben Leider doch. Auch junge Menschen können an Depressionen, Angststörungen oder Traumafolgen leiden. Je früher eine Behandlung beginnt, desto besser stehen die Chancen auf Heilung oder Linderung. 8. Psychische Krankheiten "heilt" man einfach mit genug Willenskraft So einfach ist das leider nicht. Man kann eine Panikattacke nicht einfach "wegdenken" – genauso wenig, wie das bei einer gebrochenen Rippe funktioniert. Psychische Erkrankungen brauchen professionelle Hilfe, Geduld - und manchmal auch Medikamente. 9. Psychische Erkrankungen sind für immer Nicht unbedingt! Viele psychische Störungen lassen sich sehr gut behandeln. Einige Menschen genesen vollständig, andere lernen, mit ihrer Erkrankung zu leben – oft in einer Lebensqualität, die sie vorher nicht für möglich gehalten hätten. 10. Psychiatrische Diagnosen "schubladisieren" Menschen Eine Diagnose ist kein Etikett, sondern eine Grundlage, um die bestmögliche Behandlung zu finden. Sie beschreibt Symptome, nicht den Menschen dahinter. Niemand ist "nur" seine Diagnose! Psychische Gesundheit ist ein Thema, das jede und jeden betrifft. Je mehr wir darüber sprechen und falsche Vorstellungen ausräumen, desto besser können wir Betroffenen helfen – und gemeinsam Vorurteile abbauen. Teilen Sie gern diesen Beitrag und helfen Sie, das Wissen weiterzutragen! Disclaimer:  Dieser Blogbeitrag dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle Beratung durch einen Arzt oder Therapeuten.

  • AD(H)S-Medikamente: Eine Orientierungshilfe

    AD(H)S – das steht für Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts-)Störung. Klingt kompliziert? Ist es manchmal auch. Wer betroffen ist, kennt das: Gedanken rasen wie ein Duracell-Häschen auf Koffein, die To-do-Liste hat eher Sammelcharakter, und Fokus ist so flüchtig wie ein Wassertropfen auf einer heissen Herdplatte. Doch keine Sorge, es gibt Hilfe – und die kommt unter anderem in Tablettenform. In der Schweiz sind einige Medikamente gegen AD(H)S zugelassen. Aber welche gibt es, wie wirken sie, und was muss man wissen? Methylphenidat – Der Klassiker Methylphenidat (z. B. Ritalin, Concerta, Medikinet) ist der Platzhirsch unter den AD(H)S-Medikamenten. Es gehört zur Gruppe der Stimulanzien und sorgt dafür, dass Dopamin und Noradrenalin länger im Gehirn wirken. Übersetzt heisst das: bessere Konzentration, weniger Impulsivität, mehr innere Ruhe. Vorteile: Wirkt schnell (innerhalb von 30–60 Minuten), gut erprobt, verschiedene Darreichungsformen (kurz-, mittel- und langwirksam). Nachteile: Kann Appetit zügeln (blöd, wenn man gern isst), kann Schlafprobleme machen (Tipp: nicht zu spät einnehmen), und in seltenen Fällen treten Nervosität oder Herzklopfen auf. Lisdexamfetamin – Der Langstreckenläufer Lisdexamfetamin (Elvanse) ist ein sogenanntes Prodrug, das erst im Körper in seine aktive Form (Dextroamphetamin) umgewandelt wird. Dadurch setzt die Wirkung langsamer ein, hält aber dafür länger an – oft den ganzen Tag. Vorteile: Konstantere Wirkung, weniger „Auf und Ab“, oft besser verträglich als Methylphenidat. Nachteile: Auch hier können Nebenwirkungen wie Appetitminderung oder Einschlafprobleme auftreten. Zudem gibt es bisher nur eine langwirksame Form. Atomoxetin – Die Alternative ohne "Kick" Atomoxetin (Strattera) ist kein Stimulans, sondern ein Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Es wirkt anders als die oben genannten Medikamente und muss erst eine Weile eingenommen werden, bevor sich der Effekt zeigt (ca. 4–6 Wochen Geduld sind gefragt!). Vorteile: Kein Suchtpotenzial, 24-Stunden-Wirkung, oft eine gute Wahl bei gleichzeitigen Angststörungen oder Tics. Nachteile: Anfangs kann es zu Übelkeit, Müdigkeit oder Blutdruckveränderungen kommen. Und wenn es nicht wirkt, dann merkt man das leider erst nach einigen Wochen. Guanfacin – Die sanfte Unterstützung Guanfacin (Intuniv) ist ein Alpha-2-Agonist und wirkt beruhigend auf das Nervensystem. Es wird besonders häufig bei Kindern eingesetzt, die mit klassischen Stimulanzien nicht gut zurechtkommen. Für Erwachsene ab 18 Jahren ist es in der Schweiz nicht zugelassen. Vorteile: Fördert Ruhe und Impulskontrolle, keine typische Stimulanzien-Nebenwirkungen. Nachteile: Kann müde machen und den Blutdruck senken. Deshalb am besten vor dem Schlafengehen nehmen. Welches Medikament ist das richtige für mich? Die Antwort: Es kommt darauf an! Die Wahl hängt von individuellen Faktoren ab – zum Beispiel, ob man eher Probleme mit Unruhe oder mit Unaufmerksamkeit hat, ob man gleichzeitig unter Angst oder Schlafstörungen leidet oder ob man eine lang anhaltende Wirkung bevorzugt. Ein guter Arzt oder eine gute Ärztin wird das mit Ihnen besprechen und verschiedene Optionen ins Auge fassen, bis das passende Medikament gefunden ist. Und falls das erste nicht funktioniert? Kein Stress – es gibt Alternativen! 😊 Fazit: Medikament ja oder nein? Medikamente sind kein Zaubertrank und lösen nicht alle Probleme. Aber sie können ein Gamechanger sein, wenn sie richtig eingesetzt werden. Wichtig ist eine gute Begleitung durch eine Fachperson, regelmässige Kontrolle und ehrliche Rückmeldungen darüber, wie man sich mit der Medikation fühlt. Und nicht vergessen: Medikamente sind nur ein Teil des Ganzen. Therapie, Struktur im Alltag, Bewegung und eine Portion Selbstakzeptanz sind genauso wichtig. In diesem Sinne: Kopf hoch, Fokus an – und auf ins Leben! 🚀 Disclaimer:  Dieser Blogbeitrag dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle Beratung durch einen Arzt oder Therapeuten.

  • Psychische Gesundheit: Was ist das eigentlich?

    Psychische Gesundheit – jeder hat eine Vorstellung davon, aber was genau steckt dahinter? Oft wird sie einfach als das Gegenteil von psychischer Krankheit verstanden. Wer nicht depressiv, ängstlich oder anderweitig beeinträchtigt ist, gilt als psychisch gesund. Doch diese Sichtweise greift zu kurz. In Wahrheit ist psychische Gesundheit ein dynamisches Gleichgewicht, das durch innere und äussere Faktoren beeinflusst wird. Sie ist kein fester Zustand, den man einmal erreicht und dann für immer behält – vielmehr ist sie eine fortlaufende Anpassung an die Herausforderungen des Lebens. Ein Balanceakt aus Fähigkeiten und Ressourcen Jeder Mensch verfügt über individuelle Stärken und Fähigkeiten, die ihm helfen, das Leben zu bewältigen. Diese Ressourcen sind die Bausteine der psychischen Gesundheit und umfassen:   Kognitive Ressourcen: Die Fähigkeit, klar zu denken, Probleme zu lösen und sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Emotionale Kompetenz: Die Fähigkeit, Gefühle zu erkennen, zu regulieren und in einen passenden Kontext zu setzen. Soziale Fähigkeiten: Die Fähigkeit, tragfähige Beziehungen zu führen, empathisch zu sein und Konflikte zu bewältigen. Ein stabiles Selbstwertgefühl : Das Vertrauen in die eigene Person, unabhängig von äusseren Bestätigungen.         Diese Faktoren stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern beeinflussen sich gegenseitig. Wer etwa über ein stabiles Selbstwertgefühl verfügt, kann mit Rückschlägen oft besser umgehen. Wer gute soziale Fähigkeiten hat, findet leichter Unterstützung in schwierigen Zeiten. Psychische Gesundheit bedeutet also nicht, dass alle diese Fähigkeiten perfekt ausgeprägt sind. Vielmehr geht es darum, eine innere Balance zu finden und Defizite in einem Bereich durch Stärken in anderen auszugleichen.  Warum psychische Gesundheit mehr als „Funktionieren“ ist Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass psychische Gesundheit bedeutet, einfach „zu funktionieren“. Wer seinen Alltag meistert, zur Arbeit geht und seine Aufgaben erfüllt, muss doch psychisch gesund sein – oder? Nicht unbedingt. Funktionalität allein sagt wenig über das innere Erleben eines Menschen aus. Viele Menschen kämpfen mit psychischen Belastungen, ohne dass es nach aussen hin sichtbar ist. Sie halten durch, verdrängen oder übergehen ihre eigenen Grenzen. Doch langfristig kann dieser Druck zu Erschöpfung, Burnout oder anderen psychischen Problemen führen. Wirkliche psychische Gesundheit bedeutet daher nicht nur, dass wir „leisten“, sondern auch, dass wir mit unserem Leben im Einklang stehen. Dazu gehört, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse wahrnehmen, für uns selbst sorgen und authentisch mit unseren Emotionen umgehen können. Psychische Gesundheit ist anpassungsfähig Das Leben verläuft selten geradlinig. Verluste, Konflikte, unerwartete Wendungen – all das kann unser seelisches Gleichgewicht ins Wanken bringen. Psychische Gesundheit zeigt sich daher besonders in der Fähigkeit, mit Veränderungen umzugehen. Man könnte sie mit einem Mobile vergleichen: Wird ein Teil des Systems gestört, gerät das ganze Gebilde ins Wanken. Doch ein flexibles Mobile findet früher oder später eine neue Balance. Ähnlich ist es mit der Psyche: Wer psychisch gesund ist, kann Rückschläge auffangen, sich anpassen und wieder zu einer stabilen Verfassung zurückfinden. Die Bedeutung von Selbstregulation und Bewusstheit Ein zentrales Element psychischer Gesundheit ist die Fähigkeit zur Selbstregulation – also die Fähigkeit, sich selbst zu steuern und auszubalancieren. Dazu gehört: Gefühle differenzieren und einordnen können : Nicht jedes Unwohlsein ist eine Depression, nicht jede Angst eine Störung. Wer psychisch gesund ist, kann seine Emotionen einordnen und verstehen.   Angemessene Bewältigungsstrategien nutzen : Statt problematische Mechanismen wie Verdrängung, Suchtverhalten oder übermässige Kontrolle einzusetzen, sind psychisch gesunde Menschen in der Lage, konstruktive Wege zur Stressbewältigung zu finden.   Sich selbst fordern, aber nicht überfordern : Wer immer nur in der Komfortzone bleibt, stagniert. Wer sich hingegen ständig überlastet, riskiert Erschöpfung. Psychische Gesundheit bedeutet, ein Gleichgewicht zwischen Herausforderung und Erholung zu finden.     Verantwortung sich selbst und anderen gegenüber Psychische Gesundheit ist keine rein private Angelegenheit. Sie existiert nicht im luftleeren Raum, sondern immer im Kontext unseres Umfelds. Verantwortung und Verbindlichkeit spielen dabei eine zentrale Rolle – sowohl gegenüber uns selbst als auch gegenüber anderen. Sich selbst gegenüber bedeutet das, achtsam mit den eigenen Bedürfnissen umzugehen, Grenzen zu setzen und für das eigene Wohlbefinden Sorge zu tragen. Anderen gegenüber bedeutet es, in Beziehungen respektvoll und empathisch zu sein, Konflikte fair zu lösen und sich als Teil eines sozialen Gefüges zu verstehen. Menschen, die sich sowohl für ihr eigenes Wohlergehen als auch für das ihrer Mitmenschen verantwortlich fühlen, neigen dazu, stabilere soziale Beziehungen zu haben – ein wichtiger Schutzfaktor für psychische Gesundheit. Psychische Gesundheit ist individuell Es gibt keinen festen Massstab, der für alle gilt. Was für die eine Person ein Zeichen von psychischer Stabilität ist, kann für eine andere ganz anders aussehen. Einige Menschen brauchen viel soziale Interaktion, um sich wohlzufühlen, andere eher Rückzug und Ruhe. Manche finden Entspannung im Sport, andere in kreativen Aktivitäten. Eine sinnvolle psychische Gesundheitsförderung setzt genau hier an: Sie hilft Menschen, ihre individuellen Ressourcen zu erkennen und zu nutzen, um ihr inneres Gleichgewicht zu stärken. Fazit: Nicht Perfektion, sondern Flexibilität zählt Psychische Gesundheit bedeutet nicht, dass man immer glücklich, leistungsfähig oder ausgeglichen ist. Vielmehr geht es darum, mit den Höhen und Tiefen des Lebens umgehen zu können – mit den eigenen Ressourcen, in Verbindung mit anderen und in einem dynamischen Gleichgewicht.   Es ist wie beim Velofahren: Man bleibt nicht stehen, sondern balanciert sich ständig aus. Und solange wir diese Fähigkeit haben – mal besser, mal schlechter – sind wir psychisch gesund. Disclaimer: Dieser Blogbeitrag dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle Beratung durch einen Arzt oder Therapeuten.

  • Machen Antidepressiva eigentlich abhängig?

    Wenn ich in meiner Praxis über die Möglichkeiten zur Behandlung von Depressionen spreche, kommt eine Frage immer wieder auf: "Machen Antidepressiva abhängig?" . Diese Sorge ist absolut verständlich — schliesslich möchte niemand das Gefühl haben, ohne Medikamente nicht mehr klarkommen zu können. Wie sieht es also mit Antidepressiva und Abhängigkeit wirklich aus? Was bedeutet eigentlich Abhängigkeit? Bevor wir über Medikamente reden, lohnt es sich, den Begriff "Abhängigkeit" genauer zu klären. Typischerweise sprechen wir von einer Abhängigkeit, wenn: Ein starkes Verlangen (Craving) nach einer Substanz besteht. Die Dosis gesteigert werden muss (Toleranzbildung), um dieselbe Wirkung zu erzielen. Entzugssymptome auftreten, wenn die Substanz abgesetzt wird. Substanzen wie Alkohol, Nikotin oder Opioide erfüllen diese Kriterien häufig. Aber wie sieht es bei Antidepressiva aus? Antidepressiva sind keine "Glückspillen" Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass Antidepressiva sofort "happy" machen — quasi wie ein Stimmungs-Booster auf Knopfdruck. Das stimmt aber nicht. Antidepressiva wirken auf bestimmte Botenstoffe im Gehirn (wie Serotonin oder Noradrenalin) und helfen, ein chemisches Ungleichgewicht zu regulieren. Dieser Prozess braucht Zeit und wirkt sanfter als beispielsweise der schnelle Kick durch Substanzen wie Koffein oder Drogen. Keine klassische Abhängigkeit Antidepressiva, vor allem die häufig eingesetzten SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) , gelten nicht als abhängigkeitserzeugend im klassischen Sinne: Es gibt kein Craving nach dem Medikament. Toleranz entwickelt sich normalerweise nicht. Bei richtiger Einnahme führt die Behandlung auch nicht zu einer Steigerung der Dosis. Und was ist mit Absetzerscheinungen? Okay, hier wird es interessant. Manche Menschen erleben nach dem Absetzen von Antidepressiva sogenannte Absetzerscheinungen . Das können Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder sogar grippeähnliche Beschwerden sein. Diese Symptome sind jedoch nicht dasselbe wie Entzugserscheinungen bei Suchtmitteln . Sie lassen sich in der Regel vermeiden, wenn das Medikament langsam und schrittweise abgesetzt wird — am besten in Absprache mit Ihrer behandelnden Ärztin oder dem Arzt. Fazit: Keine Panik vor der Pille Wenn Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Ärztin ein Antidepressivum empfiehlt, geht es darum, Ihnen in einer schwierigen Lebensphase zu helfen. Antidepressiva sind kein "Suchtstoff", sondern ein wichtiger Baustein in der Behandlung von Depressionen und Angststörungen. Falls Sie unsicher sind oder Fragen haben, sprechen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin einfach an. Sie sind da, um gemeinsam mit Ihnen den besten Weg zu finden — ganz ohne Druck und mit einem offenen Ohr für Ihre Bedenken. Disclaimer:  Dieser Blogbeitrag dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle Beratung durch einen Arzt oder Therapeuten.

  • Achtsamkeit in der psychotherapeutischen Arbeit

    In den letzten Jahren hat das Thema Achtsamkeit immer mehr an Bedeutung gewonnen – und das nicht ohne Grund. Was ursprünglich als spirituelle Praxis aus der buddhistischen Tradition bekannt war, hat sich mittlerweile zu einem etablierten Instrument in der Psychotherapie entwickelt. Insbesondere in der Behandlung von psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen und Traumafolgestörungen. Was ist Achtsamkeit eigentlich? Achtsamkeit ist die Fähigkeit, den gegenwärtigen Moment bewusst und ohne Bewertung wahrzunehmen. Es geht darum, die eigenen Gedanken, Gefühle und körperlichen Empfindungen zu beobachten, ohne sich in ihnen zu verlieren oder sie automatisch zu bewerten. Diese Art der Wahrnehmung fördert eine gewisse Distanz zu den eigenen inneren Erfahrungen – ein entscheidender Punkt, wenn es darum geht, psychische Belastungen zu verarbeiten. Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie fühlen sich plötzlich ängstlich. Anstatt sofort in eine Spirale von negativen Gedanken und Sorgen zu geraten, könnten Sie innehalten und einfach bemerken: „Ich spüre gerade Angst.“ Ohne gleich zu denken, dass etwas Schlimmes passieren wird, können Sie die Angst als das betrachten, was sie ist – eine vorübergehende Erfahrung, die zwar unangenehm, aber nicht unkontrollierbar oder gar bedrohlich ist. Achtsamkeit in der Psychotherapie: Wie kann sie helfen? In der Psychotherapie kommt Achtsamkeit auf verschiedene Weise zum Einsatz. Sie kann als Bestandteil von etablierten Therapiemethoden wie der Achtsamkeitsbasierten Kognitiven Therapie (MBCT) , der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) oder der Achtsamkeitsbasierten Stressreduktion (MBSR) verwendet werden. Aber auch in klassischen Gesprächstherapien findet Achtsamkeit zunehmend Anwendung. Reduzierung von Stress und Angst Das klassische Beispiel für den Einsatz von Achtsamkeit in der Psychotherapie ist die Behandlung von Angststörungen. Menschen, die unter ständiger Sorge oder Panikattacken leiden, haben oft die Tendenz, ihre Ängste zu verdrängen oder mit negativen Gedanken zu überlagern. Achtsamkeit lehrt die Patienten, ihre Ängste anzunehmen, sie zu spüren und bewusst wahrzunehmen, ohne dass diese sie überwältigen. Indem man die Angst nicht bekämpft, sondern einfach als ein Gefühl im Moment akzeptiert, kann eine tiefere Entspannung und Akzeptanz entstehen. Veränderung der Beziehung zu belastenden Gedanken Ein zentraler Punkt in der Therapie mit Achtsamkeit ist die Veränderung der Beziehung zu eigenen Gedanken. Viele Menschen, die unter Depressionen oder Angststörungen leiden, neigen dazu, ihre Gedanken als Wahrheit zu akzeptieren. Diese Gedanken bekommen so viel Macht, dass sie das gesamte Leben dominieren. Achtsamkeit hilft dabei, diese wenig hilfreichen Gedanken zu erkennen, aber nicht zu verurteilen oder sich mit ihnen zu identifizieren. Ein negativer Gedanke wie „Ich werde nie glücklich sein“ wird nicht mehr als endgültige Wahrheit angesehen, sondern als vorübergehende Erscheinung, die genauso kommen und wieder gehen kann. Förderung der Selbstakzeptanz und Mitgefühl Ein weiterer wichtiger therapeutischer Aspekt von Achtsamkeit ist die Förderung von Selbstmitgefühl. Viele Menschen, die in psychischen Krisen stecken, neigen dazu, sich selbst sehr hart zu beurteilen. Sie werfen sich vor, „schwach“ oder „versagerhaft“ zu sein. Achtsamkeit hilft, diese inneren Kritiker zu erkennen und mit einem freundlicheren, akzeptierenden Blick auf sich selbst zu blicken. In der Praxis bedeutet das, dass der Therapeut mit der/dem Pat. zusammen arbeitet, um Mitgefühl für sich selbst zu entwickeln, gerade in schwierigen Momenten. Steigerung der emotionalen Resilienz Achtsamkeit kann dazu beitragen, die emotionale Resilienz zu stärken – also die Fähigkeit, mit schwierigen Gefühlen und Lebensereignissen besser umzugehen. Indem man lernt, im Moment zu bleiben und schwierige Emotionen nicht sofort zu bewerten oder zu vermeiden, wird die psychische Widerstandskraft gestärkt. Gefühle wie Trauer, Wut oder Frustration verlieren dadurch ihren Schrecken und können als Teil des Lebens akzeptiert werden, anstatt sie zu verdrängen oder zu überdramatisieren. Praktische Achtsamkeitsübungen in der Therapie (oder auch wo immer Sie gerade sind) Um Achtsamkeit wirksam einzusetzen, gibt es eine Vielzahl von Übungen, die Ihnen helfen können, mehr im Moment präsent zu sein. Hier sind einige Beispiele: Atemübungen : Eine einfache und sehr wirksame Übung ist das Fokussieren auf den eigenen Atem. Pat. werden angeleitet, sich auf den Atem zu konzentrieren, die Luft ein- und ausströmen zu spüren und die Gedanken bei jeder Ablenkung sanft zurück zum Atem zu lenken. Diese Übung kann helfen, den Geist zu beruhigen und den Fokus auf den gegenwärtigen Moment zu richten. Body-Scan : Bei dieser Übung wird der Körper systematisch von Kopf bis Fuss "durchgescannt". Dabei geht es darum, die einzelnen Körperteile zu spüren, Verspannungen oder Unwohlsein wahrzunehmen und diese Empfindungen ohne Bewertung zu beobachten. Dies fördert das Bewusstsein für den eigenen Körper und hilft, Spannungen abzubauen. Achtsamkeit im Alltag : Eine der grössten Herausforderungen ist es, Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren. Ein Weg dazu ist, kleine, alltägliche Aufgaben wie Zähneputzen oder Spazierengehen mit voller Achtsamkeit zu erledigen. Das bedeutet, sich auf die Sinneseindrücke zu konzentrieren: den Geschmack der Zahnpasta, das Geräusch der Schritte oder den Duft der Luft. Diese Übungen fördern ein tieferes Bewusstsein und tragen dazu bei, den Moment intensiver zu erleben. Fazit: Achtsamkeit als Weg zu mehr Selbstakzeptanz und innerer Ruhe Achtsamkeit ist mehr als nur ein Trend – sie ist ein kraftvolles therapeutisches Werkzeug, das in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung eine immer wichtigere Rolle spielt. Sie hilft, das eigene Erleben zu beobachten, statt sich von ihm überwältigen zu lassen - und fördert eine positive, akzeptierende Haltung gegenüber sich selbst und den eigenen Gefühlen. Wenn Sie sich in einer psychischen Krise befinden oder einfach nur mehr innere Ruhe und Ausgeglichenheit in Ihrem Leben erfahren möchten, könnte Achtsamkeit ein wertvoller Begleiter auf Ihrem Weg zu besserer Befindlichkeit sein. Wie bei jeder therapeutischen Technik braucht es aber Zeit und v. a. Übung, um Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren – aber der Lohn ist ein tieferes Verständnis für sich selbst und eine grössere Resilienz gegenüber den Herausforderungen des Lebens. Disclaimer:  Dieser Blogbeitrag dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle Beratung durch einen Arzt oder Therapeuten.

  • Stress und Gehirn

    Stress ist ein Teil unseres Lebens – mal ist er Ansporn, mal macht er uns wahnsinnig. Doch was passiert dabei im Gehirn? Tauchen wir ein wenig ein in die faszinierende Welt der Neurobiologie (keine Sorge, es bleibt leicht verdaulich). Stellen Sie sich vor, ein wilder Säbelzahntiger springt plötzlich vor Ihnen auf die Strasse (okay, das ist zwar nicht allzu wahrscheinlich, wir wollen aber etwas dramatisch sein). Ihr Gehirn reagiert sofort, der "Chef des Stressmanagements" im Kopf, die Amygdala , schlägt Alarm: „Pass' auf, Gefahr!“. Das Ganze geschieht über ein Signal an den Hypothalamus , der daraufhin das sog. sympathische Nervensystem aktiviert. Adrenalin flutet den Körper. Das Herz klopft schneller, die Muskeln spannen sich an, die Atmung wird schnell und flach. Alles bereit zur Flucht - oder zum Kampf. Neben Adrenalin gibt es noch einen zweiten Hauptdarsteller: Cortisol . Dieses Hormon sorgt dafür, dass der Körper bei längeren Stressphasen genug Energie zur Verfügung hat. Denken Sie an Cortisol als das koffeingeladene Energydrink-Team, das Sie durch einen langen Arbeitstag pusht. Doch Vorsicht: Bleibt das Stresslevel länger anhaltend zu hoch, wird Cortisol zum Dauergast – und das mag Ihr Gehirn gar nicht. Depressive Störungen könnten u. a. die Folge sein, aber z. B. auch Schlafprobleme und Bluthochdruck. Langfristiger Stress kann im Gehirn wie ein Elefant im Porzellanladen wüten. Besonders betroffen ist der Hippocampus , unser Gedächtnismanager. Zu viel Cortisol lässt diesen Bereich auf Dauer schrumpfen, was Gedächtnisprobleme zur Folge haben kann. Auch die Amygdala, die ja eigentlich nur warnen wollte, wird bei Dauerstress überempfindlich – als ob sie permanent bei jeder Kleinigkeit "Achtung, Gefahr!" schreit. Zum Glück ist unser Gehirn erstaunlich anpassungsfähig. Mit Entspannungstechniken wie Meditation, Sport oder Atemübungen lässt sich das Gleichgewicht häufig wiederherstellen. Bewegung hilft beispielsweise, überschüssiges Cortisol abzubauen und stärkt den Hippocampus. Fazit Stress gehört zum Leben, aber Ihr Gehirn kann lernen, damit umzugehen – mit ein bisschen Hilfe von Ihnen. Und wenn das Chaos mal zu gross wird? Ein Gespräch mit einer Psychotherapeutin oder Psychiaterin ist dann vielleicht eine gute Idee. Disclaimer:  Dieser Blogbeitrag dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle Beratung durch einen Arzt oder Therapeuten.

bottom of page